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Einleitung – Editorial: Ausgabe Sommer 2021

„Überhaupt stehen tolle Sachen in Key West.“

Friedrich Ani, Schriftsteller („Süden“), Drehbuchautor („München Mord“) und Dylan-Fan

Liebe Dylanfreundinnen und -freunde,

hier ist sie nun, die dritte Ausgabe von Key West, dem historisch-kritischen Dylan- und Americana-Magazin. Die großen Geburtstagsfeierlichkeiten zu Dylans Achtzigstem sind vorbei – außer in Darmstadt, da wird am 8. Oktober nachgefeiert, mehr dazu im Bericht über die Fortsetzung der dortigen Americana-Reihe – und als man sich gerade erholte hatte, da sorgte die Meldung, dass Bob Dylan ein Streaming-Konzert geben würde, für große Aufregung. Nun, es war zwar kein Live-Konzert, sondern eher irgendwas zwischen Musikvideo und Konzertfilm, aber faszinierend war „Shadow Kingdom“ allemal. Dr. Leo Ensel geht in seinem Beitrag diesem Faszinosum auf den Grund.

Es ist ja kein Geheimnis, dass es auch viele Zeitgenossen gibt, die ihre Probleme mit Bob Dylan haben. Und der Tat ist er eine Figur, die stets für Kontroversen sorgt. In Key West wollen wir ganz bewusst auch Dylan-kritische Töne zulassen. So zeigt sich Prof. Dr. Hartmut Fladt fassungslos über die von ihm konstatierte Diskrepanz zwischen der Qualität der Texte und der Musik.

Es gab ja auch mal einen, der wollte sich mit seinen Cowboystiefeln auf Bob Dylans Kaffeetisch stellen und sagen, dass der Texaner Townes van Zandt „der beste Songwriter der Welt“ sei. Townes, ein großer Dylan-Fan, war das ein bisschen peinlich. Tatsächlich aber hat der Bundesstaat Texas eine ganz besondere starke und vielfältige Country-Singer-Songwriter-Szene hervorgebracht. Man denke an Guy Clark oder an den von Dylan sehr geschätzten und in einem Song verewigten Billy Joe Shaver und natürlich an den legendären Willie Nelson. Texas-Country- und Townes van Zandt-Kenner Martin Wimmer zeigt in seinem Essay die vielfältigen Berührungspunkte von Dylan und Texas auf.

Wir bleiben bei Dylan und den Regionen, kommen aber nach Deutschland. Mit am besten funktionieren deutschsprachige Dylan-Adaptionen, wenn die Texte des Meisters in regionale Mundart und Lokalkolorit überführt werden. Ob Weanerisch, Schwyzerdütsch oder auch – wie jüngst veröffentlicht – auf Fränkisch. Wir stellen Helmut Haberkamms gelungene Übersetzungen in Buch- und CD-Form vor.

Bob Dylan wird gemeinhin die Bezeichnung Singer-Songwriter zugeordnet. Mitherausgeber Richard Limbert hat sich in seinem Text damit beschäftigt, was überhaupt ein Singer-Songwriter ist und ob und seit wann Dylan wirklich einer ist. „Bob Dylan und das Singer-Songwriter Movement“ heißt sein Beitrag. Und er hat auch die Fortsetzung der Beschäftigung mit den klassischen Dylan-Alben der 1960er Jahre geschrieben. Und da aller guten Dinge drei sind, weisen wir auch auf seine neue Album-Veröffentlichung „New Folk Songs“ hin.

Im Jahr seines 80. Geburtstages hat sich unterdessen auch Bob Dylans zweite Deutschland-Tour zum vierzigsten Male gejährt. Für Mitherausgeber Thomas Waldherr war das damalige Konzert 1981 in Mannheim der Auftakt für viele, viele weitere. Seine Konzertpremiere ist für Waldherr der Anknüpfungspunkt von dieser Tour zu erzählen. Von toller Musik, böser Presse, „unheimlichen“ Konzertstätten und einer ungewöhnlichen Dylan-Begegnung im Mittelrheintal.

Und zum Schluss gebührt unser großer Dank dem Schriftsteller und Drehbuchautor Friedrich Ani. Er hat uns diese tolle, oben stehende Referenz geschickt. In seinen Werken finden sich immer wieder Dylan-Spuren und Motive. Auch deswegen lesen und schauen sich seine Werke so spannend.

Solche Spannung birgt hoffentlich auch diese Ausgabe von Key West. Wir wünschen in diesem Sinne wieder viel Spaß bei der Lektüre!

Keep on keepin‘ on

Richard Limbert Thomas Waldherr
Leipzig Darmstadt

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