Straßentauglich

Translating Dylan’s album Street Legal, reasonably – ein Werkstattbericht

von Fabian Williges

Ein Hinweis vorab: Ich bin kein zertifizierter Fachmann auf dem Gebiet der Übersetzung. Aber ich liebe Sprache. Ich liebe Sprache und Sprachen. Und wenn ich nicht so ein verdammt fauler Hund wäre, spräche ich wohl 100 verschiedene Sprachen und übersetzte Lieder und Gedichte aus jeder einzelnen in alle anderen.

Tatsächlich beherrsche ich aber neben meiner Muttersprache Deutsch lediglich Englisch. Ein paar Brocken Latein sind mir aus dem Gymnasium geblieben, neben ein paar Informationsblitzen über das biblische Hebräisch aus dem abgebrochenen Theologiestudium. Das ist nicht viel. Aber es hat ausgereicht, mir eine fast heilige Hochachtung gegenüber jeder Sprache einzuimpfen.

Der Autor und Übersetzer Fabian Williges

Seit sechs Jahren betreibe ich ein besonderes Projekt, bei dem ich mein kleines Prosa-Büchlein über das Verliebtsein und Vermissen mit dem Titel „Wenn du nicht da bist …“ in alle Sprachen übersetzen lassen möchte, die in meinem erweiterten Freundes- und Bekanntenkreis als Muttersprachen gesprochen werden. 25 Sprachen sind es bereits geworden. Neben dem erwarteten Englisch, Französisch, Polnisch und Tschechisch finden sich da auch Arabisch, Armenisch, heutiges Hebräisch, Kiswahili, Persisch und Vietnamesisch. Und aus aktuellem Anlass: je eine russische und eine ukrainische Übersetzung finden sich auch friedlich nebeneinander in dieser Sammlung.

Für dieses Projekt haben sich die Übersetzerinnen und Übersetzer auch nicht durch Zertifikate qualifiziert, sondern durch ihre Muttersprachlichkeit und unsere Freundschaft. Jede Übersetzung war für mich ein einzigartiges Unternehmen, bei dem mich ein lieber Mensch an die Hand nahm und mir seine Sprache vorstellte und erklärte.

Die Sätze und Wortgruppen dieses Buches sind relativ einfach. Und doch gab es bei jeder Übersetzung Komplikationen, die einer besonderen Betrachtung und Behandlung bedurften. So erinnert das deutsche Tortendiagramm auch als englisches pie chart an süßes Essen. Im Französischen wird es mit dem diagramme camembert und im Portugiesischen mit dem gráfico de pizza etwas Herzhafter. In den meisten Sprachen aber ist es schlicht ein Kreisdiagramm und der Gag meiner Geschichte, der sich u. a. um das Essen drehte, konnte oft nicht erhalten werden.

Aber ich schweife ab, wo ich doch nur kurz meinen Hintergrund klären wollte. Es soll in meinem Text um Bob Dylan gehen. Und Dylan ist mit meinem englischen Spracherwerb eng verwoben. Denn während ich mich ab Klasse 5 mit englischen Vokabellisten abmühte, lernte ich auch die ersten Akkorde auf der Gitarre zu greifen. Neue Erkenntnisse aus beiden Lehrstunden habe ich immer mit Liedern von Bob Dylan, Joan Baez oder den Beatles abgeglichen und bald auch ein paar eigene epigonale Werke geschaffen.

Spätestens seit dem Literaturnobelpreis ist es offensichtlich, dass man an den Texten Dylans das eigene Sprachverständnis schulen kann. Für den Fünftklässler war es wohl doch eher eine Überforderung. Nur drei Jahre später lernte ich das Album Street Legal kennen, welches mich sprachlich und musikalisch schier überwältigte. Das Album legt Zeugnis ab von einem Ringen in und mit der Welt. Ich habe in den Texten Anspielungen und Querverweise wahrgenommen, die mir neue Räume erschlossen, die weit jenseits einfacher Liebeslyrik liegen; auch wenn die Liebe selbstverständlich allgegenwärtig ist. Doch für die Liebe gab es die frühen Beatles. Hier auf der Street Legal geht es um Metaphysik.

Immer wieder kam ich in meinem musikalischen Leben auf die Street Legal zurück. Manche meiner Assoziationen und Konnotationen erwiesen sich mit den Jahren als haltlos, andere wurden bestärkt. Und immer gab mir das Hören dieser Lieder Kraft und Zuversicht. In den einsamen Corona-Jahren bin ich das Projekt angegangen, das Album komplett ins Deutsche zu übertragen. Und mit diesem Text möchte ich dem geneigten Leser einen Einblick in meine Werkstatt gewähren.

Doch noch einmal: Ich bin kein akademischer Übersetzer und kenne mich nicht aus mit den Modellen der verschiedenen Übersetzungsarten, mit den zwölf Übersetzungsmaximen nach Theodore Savory, mit den fünf Übersetzungsäquivalenzen nach Werner Koller und dem allgemeinen Problem der doppelten Bindung an Ausgangssprache und Zielsprache. Manches habe ich mir erlesen, manches habe ich selbst erfahren. Mein Zugang bleibt aber immer ein persönlicher und intuitiver.

Der Albumtitel ist dabei programmatisch. Als street legal bezeichnet man ein Fahrzeug, das für den Straßenverkehr zugelassen ist. Ich habe es mit straßentauglich übersetzt. Das ist sowohl ein Begriff aus der öffentlichen Verwaltung als auch eine Umschreibung für einen nicht perfekten, aber noch immer akzeptablen Zustand. Und ich denke, genau so möchte Dylan seinen Titel auch verstanden wissen. Das Cover zeigt ihn in einem etwas ramponierten Zustand, wie er sich am Fuße einer Treppe leicht nach vorn beugt, um die Straße hinunter sehen zu können. Am oberen Ende der Treppe könnte man das Zimmer einer leichten Dame oder einen besonders verrufenen Nachtclub vermuten. Man würde es wohl nicht ein besonders gelungenes Albumcover nennen. Wie auch das gesamte Album im Erscheinungsjahr bei der Kritik nur auf ein verhaltenes Echo traf.

Der Titel passt. Doch schon die erste Zeile des ersten Liedes Changing of the Guards stellt mich vor – bis zum heutigen Tag ungelöste – Herausforderungen. Vielleicht nicht ganz so groß wie die Faust’schen beim Übersetzen des Johannesevangeliums, aber doch genug, um erstmal ins Stocken zu geraten.

Sixteen years! heißt es da. Sechzehn Jahr’! müsste es dann heißen. Doch erinnert das nicht zu sehr an Udo Jürgens ein Jahr später und mit blonden Haaren? Tatsächlich ist in den USA sweet sixteen ein fester Begriff für die junge begehrbare Frau. Aber reine 1-zu-1-Analogien im Erotischen sind bei Dylan gemeinhin nicht zu finden; wie auch die platte Parallele, dass man in den USA mit 16 seinen Führerschein machen kann und somit auch in diesem Sinne straßentauglich wird.

Vielleicht spielt Dylan 1978 auf die 16 Jahre seit Erscheinen seines ersten Album 1962 an? Könnte man es da auch mit seit Anbeginn! oder vom ersten Ton! Übersetzen? Die zweite Zeile aber führt die Zahlensymbolik fort: Sixteen banners united over the field. Dann muss eine Übersetzung wohl doch die Sechzehn bewahren. Sind es die 16 Spielfiguren einer Farbe auf dem Schachbrett? Oder sind es die Hofkarten König, Königin, Ritter und Page der vier Tarot-Farben Stäbe, Kelche, Münzen und Schwerter? König und Königin der Schwerter werden in einer späteren Strophe noch einmal erwähnt.

Es könnte auch eine Anspielung an die vier großen und zwölf kleinen Prophetenbücher der Bibel sein. Schließlich ist Street Legal am Vorabend seines Übertritts zum Christentum erschienen und verhandelt auch in den anderen Liedern Glaubens- und Sinnkrisen. Vielleicht meint er schlicht seine bis dahin erschienenen Studioalben. Das waren 17 an der Zahl. Doch die Dylan (A Fool Such as I) von 1973 kann man aus der Zählung streichen, da sie vom Label als eine Art Rachefeldzug herausgegeben wurde, ohne ein künstlerisches, kompositorisches Konzept Dylans.

Mit dem ersten Lied bin ich also noch nicht sehr weit gekommen. Ich warte noch auf eine erhellende Eingebung. Bis dahin arbeite ich an den anderen acht Liedern. Fast abgeschlossen ist meine Übersetzung des letzten Liedes, das ich hier gern vorstellen möchte. Ich möchte es gleichzeitig nutzen, meine Gedanken zu literarischen Übersetzungen exemplarisch zu erläutern.

Where are you tonight? heißt es; mit dem Untertitel Journey through dark heat. Und da beginnt schon gleich das nächste Problem. Wo bist du heut Nacht? habe ich übersetzt. Das ist ein Paradebeispiel für eine wortwörtliche Übersetzung, die zwischen Englisch und Deutsch manchmal perfekt gelingen kann. Schließlich sind beide Sprachen germanisch und haben einen weiten gemeinsamen Weg zurückgelegt. Wort für Wort die anderssprachige Entsprechung und gleich noch dieselbe Silbenanzahl, was für gesungene Text nicht ganz unerheblich ist. Ein Lottogewinn für den Übersetzer!

Aber gleich der Untertitel wollte mir partout nicht gelingen: Eine Reise durch dunkle Hitze würde es wortwörtlich heißen. Das hat im Deutschen einen falschen Klang. Was ist dunkle Hitze? Ist es eher ein dunkles Verlangen? Ist das nicht zu sexuell gedeutet? Wie wäre es mit einer inneren Hölle? Wo kommt aber das Innere her? Und ist im Begriff der Hölle alles Dunkle und Heiße ausreichend repräsentiert? Im Gegensatz zu Hitze braucht Hölle aber einen Artikel – den bestimmten oder einen unbestimmten? Und was ist mit der Satzmelodie und dem Rhythmus? Reise durch die innere Hölle holpert, während Journey through dark heat sehr geschmeidig ist.

An dieser Stelle war ich schließlich besonders mutig oder feige; ich ließ den Untertitel weg. Der Titel und das ganze Lied funktionierten auch gut ohne ihn. Bereits in der ersten Zeile würde mit dem Zug das Bild der Reise erneut aufgegriffen werde.

Wieder am Bahnsteig stehend möchte ich lieber über die gelungenen Stellen schreiben und über die Ideen, die mir zum literarischen Übersetzen gekommen sind. Allgemein würde ich sagen, dass ich einen Text wirklich lieben muss, um ihn zu übersetzen, ihn in meiner Muttersprache nachzuempfinden, nachzudichten. Ich wäre wohl nicht der Richtige, um Sachtexte schnell und effizient zu übertragen. Ich möchte mir den geliebten Text literarisch aneignen, ihn zu meinem Text machen, selbstverständlich ohne den Urheber zu unterschlagen.

Ich muss den Text also lieben. Und dann muss ich ihm auch treu sein und bleiben. Doch auf welcher Ebene? In menschlichen Beziehungen unterscheidet man heute gerne emotionale und körperliche Treue. Ich teile diese Ansicht nicht für zwischenmenschliche Beziehungen. In meinen Beziehungen zum geschriebenen Wort kann ich aber verschiedene Arten von Treue unterscheiden.

Eine wortgetreue Übersetzung erscheint zuerst als Ideal. Nur dass eben zwei unterschiedliche Sprachen niemals die gleichen Konnotationen und Subtexte liefern können, weshalb ein wortgetreues Übersetzen immer wieder auch falsch klingen kann. Bei vermeintlich gleichen also einfachen Wörtern kann das Assoziationsfeld sehr unterschiedlich sein. Der Extremfall ist der des falschen Freundes, wo sich nicht nur das Umfeld, sondern auch die Kernbedeutung verschoben haben. Englisch realize bedeutet wahrnehmen oder merken, dass etwas real ist. Deutsch realisieren meint umsetzen oder etwas in die Realität bringen.

Bei einem gebundenen, verdichteten Text wie diesem Lied ist die Formtreue sehr wichtig, um die Übersetzung schließlich zur selben Melodie singen zu können. Die Strophen sind Vierzeiler, bei denen die erste und die dritte Zeile einen Binnenreim aufweisen. Alle Reime sind männlich, will sagen betont. Das konnte ich im Deutschen nicht einhalten. Dafür haben wir einfach zu viele unbetonte Silben an Wortenden, wie beispielsweise rain zu Regen. Aber das allgemeine Reimschema habe ich konsequent eingehalten:

A / A
B
C / C
B

Drei Bridges hat der Song, die ein anderes Reimschema aufweisen:

A
A
A
B
B

Bei der ersten Bridge habe ich mir einen kleinen Scherz erlaubt. Die englischen Reimwörter sind [woman in] rage, [stripper on] stage, [turning the] page. Die wortgetreue Übersetzung wäre Wut, Bühne, Seite. Was wäre, dachte, wenn ich das Wort rage mit Rage übersetze? Und mit dem Dreiklang [Mutter in] Rage, [noch in voller] Staffage, [beräumt die] Stellage bin ich bis heute sehr zufrieden.

Die klangtreue Übersetzung ist ein heikles Unterfangen. Die Idee ist, dass Vokale (helle oder dunkle) und Konsonanten (harte oder weiche) auch Stimmungen oder Gefühle transportieren und die Wortbedeutung unterstützen oder ihr besonders reizvoll entgegenstehen können. Englisch night klingt so ganz anders als die deutsche Nacht; denn in ihr ist light, height, fight, right, sight und knight während bei uns Wacht, Pacht, Schacht und Macht herrschen.

Besonders gelungen in diesem Sinne ist mir wohl And a lonesome bell tone in that valley of stone, obwohl ich das Schlaginstrument ambiguisiere und den Baustoff von einem natürlichen zu einem künstlichen verändere. Ich schrieb: Eine Glocke oder Gong hier im Dschungel aus Beton. Ob Stein oder Beton, gemeint ist eine Großstadt wie New York und dort die Elizabeth Street, die eine beliebte Einkaufs- und Partymeile ist. Im Original wird sie namentlich erwähnt: Laughter down on Elizabeth Street. In meinen Rhythmus und Reim passte der Straßenname nicht hinein. Aber ich glaube mit Gelächter aus der Stadt habe ich die intendierte Bedeutung erhalten.

Und Bedeutungsgetreue sollte man wohl immer anstreben. Dazu gehört, dass man die Bedeutung des Textes erkannt hat. Die eindeutige Entschlüsselung aller Bedeutungsebenen kann bei Dylan-Texten aber sehr schwer bis unmöglich sein. Sehr lange habe ich mich damit beschäftigt, wen Dylan wohl meinen könnte, wenn er singt:

I left town at dawn, with Marcel and St. John
Strong men belittled by doubt

Musikkritiker und Dylanologen wie der Brite Clinton Heylin oder die Franzosen Phillipe Margotin und Jean-Michel Guedson sehen in den beiden Namen eine Anspielung auf den Evangelisten und Lieblingsjünger Johannes sowie auf den christlichen Existenzialisten Gabriel Marcel. Warum aber nimmt er dann einmal den Vornamen und einmal den Nachnamen?

Ich hingegen liebe die Vorstellung, dass dies eine Anspielung auf den Bauhaus-Architekten Marcel Breuer ist und seinen ersten Sakralbau überhaupt, die St. John’s Abbey Church der Benediktiner Hochschule in Collegeville, Minnesota. Die Kirche aus den 1960er Jahren ist ein Meisterwerk des Brutalismus. Menschen vor einem solchen Gebäude können sich schnell klein und unbedeutend fühlen. Schließlich musste ich erkennen, dass es in diesem konkreten Fall für die Übersetzung unerheblich war, wer diese beiden Männer nun sind. Ich schrieb:

Am Morgen ging ich schnell mit Johannes und Marcel,
Zwei große Männer durch ihr Zweifeln schwach

(St. John’s Abbey Church der Benediktiner Hochschule in Collegeville, Minnesota von Marcel Breuer, Quelle, Wikimedia commons)

Wenn sich die nüchterne Bedeutung nicht ganz erschließt, muss es wenigstens stimmungstreu werden. Schließlich soll ein Liebesgedicht ein Liebesgedicht bleiben und eine politische Anklage, ein religiöser Text oder Partysong eben jeweils genau dies.

Aus einem full-blooded Cherokee, der eine düstere Vorhersage macht, wird in meiner Fassung eine Frau aus den Karpaten. In beiden Fällen schwingt eine unheimliche Vorahnung mit. Aus den Karpaten gibt es so viele Geschichten von Werwölfen, Vampiren und Hexen, wie sogenannte Indianerfriedhöfe der Grund für manchen Spuk in US-amerikanischen Horrorfilmen sind.

Und die beiden folgenden Zeilen haben im Original keinen religiösen Bezug. The law bietet einen gewissen Spekulationsraum; denn es muss sich dabei nicht um das weltliche Recht handeln. In meiner Übertragung nehme ich den allgemeinen religiösen Duktus des Albums auf, das Dylan am Vorabend seines Übertritts zum Christentum veröffentlichte. Ich gebe offen zu, dass ich mich hier nicht mehr im wortgetreuen Feld bewege:

Horseplay and disease is killing me by degrees
While the law looks the other way

Spielen oder Leiden? Ach, ich kann mich nicht entscheiden.
Und da hilft mir auch kein göttliches Gebot.

Schließlich muss man wohl – früher oder später – vor der Vielschichtigkeit Dylan’scher Texte kapitulieren. Oder man wechselt, wenn die Schlacht aussichtslos scheint, um den Krieg vielleicht doch noch zu gewinnen, das Terrain.

Für mich ist der Prozess der Übersetzung nämlich immer auch der einer Aneignung. Selbstverständlich muss ich Bob Dylan als Urheber dieser Songs nennen; alles andere wäre nicht straßentauglich. Aber ich habe sie gleichzeitig zu meinen gemacht.

Ich kann meinem Maßstab einer getreuen Übersetzungsarbeit eine weitere Facette hinzufügen. Ich möchte immer rezeptionstreu übertragen. So, wie Dylans Songs in mein Leben hineingewirkt haben, wie ich mir den song and dance man vorgestellt habe, so möchte ich durch meine deutschsprachigen Fassungen auch auf andere wirken. Das klingt einerseits wie eine Flucht aus den klar messbaren Bewertungskriterien und Zielvorgaben. Es ist andererseits viel mehr, schon fast dreist. Und auf jeden Fall unprofessionell. Aber ich bin überzeugt davon, genau dies ist der Trampelpfad, der zu den Sternen führt.

Hier der Text von Fabian Williges:

Wo bist du heut Nacht?

Mit dem Zug auf fernen Wegen roll ich durch den Regen
Tränen auf dem Brief, den ich grad schrieb
Ach, wenn man jemanden begehrt, den das Leben dir verwehrt!
– Wie ein Satellit, der nur kurz bei dir blieb.

Das Neonlicht scheint hell, trotz Nebels grünlich grell
Gelächter aus der Stadt schallt zu mir rauf
Eine Glocke oder Gong hier im Dschungel aus Beton.
Gibst du dich etwas hin, gibst du dich auf.

Dein Vater weiß genau, man muss mehr sein als nur schlau.
Und er lebt auch nach den Worten, die er spricht
Eine Frau aus den Karpaten hat es mir verraten,
Wann und wo wir zwei uns trennen oder nicht.

Ein Baby in den Armen einer Mutter in Rage.
’Ne Stripperin auf der Bühne noch in voller Staffage.
Sie dreht die Uhr zurück und beräumt die Stellage
von den Dingen, die noch nie ein Mensch bedacht.
Und wo bist du heut Nacht?

Die Wahrheit ist obskur, viel zu tiefgründig und pur.
Sie tötet oder schlägt dich in die Flucht.
Wir sah’n im Augenblick aus unsrem Missgeschick,
Die Straße braucht ein Opfer und die Sucht.

Am Morgen ging ich schnell mit Johannes und Marcel,
zwei große Männer, durch ihr Zweifeln schwach.
Ich sagte keinen Ton über meine Intention
Doch mit mir kennst du dich aus und bist hellwach.

Gut gezielt auf die Totlage und verfehlt doch ohne Frage.
Und du wartest, auf dem Tisch ein Blumenstrauß.
Fühlst du endlich meinen Kummer, während ich bei dir entschlummer’
und dein strenggeheimes Selbst sieht so gut aus!

Dort ein Löwe auf der Straße und Dämonen in der Welt
Millionen Träume ausgeträumt, vergiftet Wald und Feld
Die Schönheit leicht verblasst und doch endlich aus der Jeans gepellt
Ich fass dich niemals an und wenn ganz sacht.
Doch wo bist du heut Nacht?

Ich rang mit meinem Ich, doch verlor ich unterm Strich
Schließlich lagen wir am Boden fast wie tot.
Spielen oder Leiden? Ach, ich kann mich nicht entscheiden.
Und da hilft mir auch kein göttliches Gebot.

Deine feinen Spießgesellen versuchten, mich zu stellen;
Doch der Typ an deiner Seite war so schlecht.
Ich hab’ ihm ganz geschickt einfach ins Gesicht gekickt,
Diesem miesen, rückgratlosen Weiberknecht.

Ich aß von jener Frucht aus Garten Edens eigner Zucht
Der Saft lief mir von beiden Beinen herab
Und dann sprach ich mit dem Leiter; auch er weiß nicht mehr weiter,
Und er meinte, wir zwei bringen ihn noch ins Grab.

Welch ein Diamanten-Schimmer selbst im dunkelsten der Zimmer!
Und ein Trampelpfad, der zu den Sternen führt.
Ach, ich zahlte meine Schuld dieser unverdienten Huld.
Sieh, die Narben, wo der Engel mich berührt.

Ein neuer Tag bricht an und ich bin endlich da!
Ich habe überlebt trotz der großen Gefahr.
Ich atme noch, ich atme, kaum zu glauben, aber wahr.
Doch ohne dich hat mir das nichts gebracht.
Sag, wo bist du heut Nacht?

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