
von Frank Goosen
Ich wurde Dylan-Fan als er gerade in seiner Jesusphase war. Eigentlich gehörte mein Herz den Beatles, aber an Slow Train coming führte kein Weg vorbei.
Wie bei den Beatles erarbeitete ich mir sein Werk rückwärts. Everbody must get stoned. Aber warum hat er auf Nashville Skyline so eine komische Stimme?
1982 schlurfte ich mit dem schönsten Mädchen der Stufe einen Klammerblues zu Joey, einem Song über einen schizophrenen Mafiosi, nicht wegen des Inhalts, sondern weil die Nummer elf Minuten lang war. Zu kurz, um den nötigen Mut aufzubringen, ihr ein gemeinsames Leben vorzuschlagen.
Die drei Alben nach Shot of Love machten mich ratlos. Ist Emotionally yours kitschig oder schön?
Ständig war ich unglücklich verliebt. Oh Mercy, dachte ich, What good am I?
Mein erstes Soloprogramm begann mit Lovesick. Obwohl oder gerade weil ich es nicht mehr war. Frau meines Lebens getroffen und so.
Der Nobelpreis hätte jetzt nicht sein müssen. Aber Patti Smith war rührend bei der Verleihung.
2017 war ich beim Konzert in Düsseldorf. Die anderen älteren Herrschaften zeigten sich enttäuscht, dass sie nichts mitsingen konnten. Deshalb stand vor der Halle ein Ragged Clown, der alles noch mal zum Schunkeln spielte.
Drei Jahre später schrieb ich Bob Dylan’s 666th Dream, eine völlig unverständliche Story, die aus selbst übersetzten Songpassagen montiert war. Drei Leute haben die Geschichte gelesen. Alle drei fanden sie blöd. Irgendwas geht hier vor, aber Sie wissen nicht, was. Nicht wahr, Herr Schmidt?
Im Lockdown nahm ich im Keller meine Basement Tapes auf.
2026 signierte ich eines meiner Bücher mit Für Robert Zimmermann, aber der Mann hieß ganz anders. Da drüben steht das Waisenkind mit seiner Knarre.
Ich enthalte jetzt Vielheiten. Ihr könnt Not dark yet auf meiner Beerdigung spielen.
Und danach Here comes the Sun.