
von Thomas Waldherr
Die klug gebaute Reihe liefert teils erstaunliche, teils sehr treffende Einsichten in die amerikanische Geschichte, Politik und Kultur sowie das Selbstverständnis ihrer Protagonisten
Als Bob Dylan seinen Kanal auf Patreon eröffnete, dort Kurzgeschichten, Clips und die „Letters Never Sent“ veröffentlichte, brach bald eine rege Diskussion über die dort geteilten Inhalte aus. Wer aber dachte, es ginge darum, was Dylan uns mit diesen Beiträgen sagen möchte, musste sich eines Besseren belehren lassen. Im Grunde bissen sich manche Fans und die Medien an diesen Fragen fest: Ist das alles mit KI generiert, sind die Texte von Dylan oder sind die Autorenzeilen Fake und warum knöpft und Dylan hierfür 5 Euro im Monat ab?
Große Aufregung um Dylans Patreon-Kanal
Das ist mir wirklich zu blöd. Denn eigentlich sollte klar sein, dass Dylan immer ein Trickster ist. Ein Spieler. Ein Bluffer. Der sich Masken aufsetzt. Der sich Zeilen und Sätze von irgendwoher nimmt und neu zusammensetzt. Collagen baut. Wenn er dazu jetzt auch KI nutzen sollte, macht einem das nachdenklich. Aber: Er füttert sie doch selbst unablässig. Klar könnte er das kenntlich machen. Aber siehe oben, er liefert keine Beipackzettel zu seiner Kunst. Er bleibt im Vagen und dadurch breit deutbar.
Wenn wir das alle seit Jahren wissen, warum aber jetzt diese moralische Empörung? Es scheint, als gierten so manche danach, ihm immer wieder etwas verwerfliches nachweisen zu können. Dylan ist für sie nur Dylan, wenn er im üblichen Musikbusiness-Rahmen von Konzerten und Plattenveröffentlichungen bleibt. Mit allem anderen scheint er sich angreifbar und bei manchen auch lächerlich zu machen: Seien es Gemälde und Zeichnungen, geschweißte Gartentore, Whiskey oder eben jetzt als Kurator verschiedener Veröffentlichungen auf Patreon.
Ich aber nehme den Künstler Dylan ernst und mir ist vor allem wichtig, welche Erkenntnisse seine Kunst liefert: Welche Gedanken und Werte transportiert Dylan mittels seiner Beiträge auf Patreon? Das interessiert mich. Außerdem: Dylan ist ein Künstler, der stets nach neuen Ausdrucksformen sucht. Das Internet gibt ihm nun die Möglichkeit, rasch zu veröffentlichen. Dylan ist ständig am Schreiben, auch Songs. Nur scheut er im Moment die harte Arbeit im Tonstudio. Was er aber umgehend öffentlich machen kann, sind Kurzgeschichten und Collagen-Clips.
Aber Dylan veröffentlicht nichts, einfach aus einer Laune heraus. Als Künstler will er etwas sagen, sich ausdrücken. Also habe ich begonnen, nachdem mein eigenes Dylan-Buchprojekt vorerst abgeschlossen ist, Dylans Patreon-Auftritt auszuwerten. Im ersten Schritt habe ich mich mit den nie versendeten Briefen beschäftigt. Meist sind es Zeitgenossen, die nicht wirklich etwas miteinander zu tun hatten, aber meist matchen die verblüffenden Sender-Empfänger-Paare. Und eines besteht sogar aus Nicht-Zeitgenossen.
Mark Twain schreibt an Rudolpho Valentino
Wobei das Couple Mark Twain & Rudolpho Valentino und ihre Korrespondenz, geschrieben von einem gewissen Herbert Foster, eindeutig zu den schwächeren Stücken gehört. Zu aufdringlich wird versucht, den Twain-Sound zu imitieren. Zu platt die bemühten Späße. Aber doch bleibt etwas hängen, wenn der vorgebliche Twain schreibt:
“Ich habe zudem vernommen, gewisse Herren hätten Ihnen vorgeworfen, für den amerikanischen Geschmack zu elegant zu sein – ein sonderbarer Vorwurf in einer Nation, die stolz darauf ist, alles zu verehren, was sie bewundert. Wann immer die Menge ihre Begeisterung nicht erklären kann, tarnt sie die Sache meist als moralische Bedenken. Meiner Erfahrung nach verzeiht das Publikum fast alles, nur kein Geheimnis.
Dennoch ist Ihnen das seltene Kunststück gelungen, gleichermaßen verehrt und umstritten zu sein – sichere Anzeichen einer erfolgreichen Karriere. Wenn ein Mann Bewunderung und Irritation im gleichen Maße hervorrufen kann, hat er wahrscheinlich über irgendetwas die Wahrheit gesagt, selbst wenn er dabei nur seinen Kragen zurechtrückte.“
Sind Twain und Valentino hier der Platzhalter für Dylan? Quasi eine Korrespondenz zwischen „I And I“? „Gleichermaßen verehrt wie umstritten“ können wir mittlerweile in jedem Konzertbericht und Geburtstagshommage über Dylan lesen. Und „Meiner Erfahrung nach verzeiht das Publikum fast alles, nur kein Geheimnis“ könnte auch eine Selbsteinsicht des alten Dylan sein, der ja sich selbst hinter der Figur Bob Dylan stets verstecken wollte. Und bei „Wenn ein Mann Bewunderung und Irritation im gleichen Maße hervorrufen kann, hat er wahrscheinlich über irgendetwas die Wahrheit gesagt, selbst wenn er dabei nur seinen Kragen zurechtrückte“ muss man sofort an die vielen Text-, Gesten- und Wortdeuter denken, die jahrzehntelang allem was Dylan macht sofort eine große Relevanz beimessen.
Fazit: Es geht hier also um die Figur des Künstlers.
James Baldwin schreibt an Walt Disney
Einige der nicht versendeten Briefe haben historisch besonders interessante Korrespondenz-Paare. Wenn der afro-amerikanische Intellektuelle und Bürgerrechtler James Baldwin an Walt Disney schreibt, dann lesen wir das natürlich mit dem Hintergrund, dass sowohl Disney selbst als Person rechte politische Neigungen hegte, als auch in seinen Werken durchaus rassistische Stereotype reproduziert wurden. Doch der fiktive Brief von Baldwin, der keine Autorenzeile aufweist, spießt nicht die rassistischen Auswüchse, sondern die Falschheit des Disney’schen Geschäftsmodells an sich auf.

So schreibt Baldwin:
„Sie haben etwas Bemerkenswertes erreicht: eine Welt, in der Leid ästhetisiert, Geschichte ausgelöscht und Schrecken so zahm dargestellt wird, dass selbst die Kinder ihn nicht mehr als solchen erkennen. Das ist keine Kleinigkeit. Es ist in der Tat eine nationale Leistung. Sie haben den ältesten amerikanischen Impuls – die Weigerung, das eigene Handeln zu betrachten – genommen und ihm einen Soundtrack, eine Farbpalette und eine Prozession lächelnder Tiere gegeben. Ihre Landschaften sind makellos, weil sie evakuiert wurden. Kein Blut befleckt ihren Boden, keine Arbeit beugt sich unter ihren Schlössern, keine Vergangenheit unterbricht die ewige Gegenwart ihrer fröhlichen Mythologie. Sie haben nicht so sehr Fantasie erschaffen, sondern vielmehr die Realität konserviert.“
Und:
„Sie haben ein Imperium auf der Ausmerzung von Widersprüchen errichtet. Doch Widersprüche sind der Motor des Lebens. Hier entsteht Wachstum, hier ringt die Wahrheit um ihr Dasein. Sie zu leugnen bedeutet nicht, Unschuld zu bewahren, sondern Unwissenheit zu zementieren. Und Unwissenheit ist, wie uns die Geschichte unerbittlich gezeigt hat, niemals neutral.“
Und:
„Sie haben sich für Bequemlichkeit statt Konfrontation, Mythos statt Erinnerung entschieden und damit dazu beigetragen, einen nationalen Traum aufrechtzuerhalten, der nicht überleben kann, wenn er erwacht. Das Problem ist, dass das Erwachen kommen wird, ob wir es wollen oder nicht. Die Realität ist geduldig, wie es sich die Fantasie nicht leisten kann. Und wenn es kommt, wird es nicht jubeln.“

Ich finde diesen Brief großartig. Man erfährt etwas über das Baldwin’sche Denken und es legt einen besonderen Blick auf Disneys Zeichentrickwelt. Und es hält der amerikanischen Mentalität der Unterhaltung als Flucht vor den eigenen Lebenslügen den Spiegel vor. Sagt dies nun Dylan in der Rolle von Baldwin? Und steht Dylan hinter der Argumentation Baldwins? Wir erinnern uns schon an einige klare politisch-historische Aussagen Dylans zur USA in seiner „Philosophie des modernen Songs“. Es spricht also durchaus einiges dafür-
Miles Davis schreibt an Robert F. Kennedy
Hier ist wieder einmal ein Autor erwähnt, ein gewisser Stan Lukas wird hier aufgeführt. Und hier wird es geradezu tragisch und rührend zugleich. Denn Robert Kennedy wurde fünf Jahre nach seinem Bruder John F. Kennedy und nur zwei Monate nach Martin Luther King ermordet. Mit Kennedy wurde objektiv eine progressive politische Hoffnung aus dem Weg geräumt. Wenn hier dem schwarzen Künstler Miles Davis diese guten Worte an Robert Kennedy in den Mund gelegt werden, erahnt man die Dimension, die beide Ermordungen für das progressive Amerika hatten:
„Ich weiß, die Kritik kommt von allen Seiten. Das ist der Preis dafür, sich ins Feuer zu begeben, anstatt davorzustehen. Aber lass diesen Lärm nicht die leiseren Stimmen übertönen, die, die keine Mikrofone bekommen und keine Schlagzeilen schreiben, aber zuhören und hoffen, dass jemand sie hört. Du hast einen Weg, diese Menschen zu erreichen. Verliere das nicht. Es gibt eine Art von Mut, die nicht laut ist. Sie kündigt sich nicht an. Sie geht einfach weiter, selbst wenn der Weg schmaler wird und das Licht schwächer. Diese Art von Mut sehe ich in dir. Und ob du es spürst oder nicht, es ist die Art von Veränderung, die Dinge verändert.“
Mit Beider Tod starben auch viele Hoffnungen auf grundlegende Veränderungen in der amerikanischen Gesellschaft. Dylan weiß das und fühlt das auch.
Huey Long schreibt an P.T. Barnum
Eines der interessantesten Couples. Auch hier wird eine Säule des amerikanischen Entertainments frontal angegriffen. P.T. Barnum war gleichzeitig der „Erfinder“ des Zirkus und der entwürdigenden Schau der „menschlichen Kuriositäten“ mit Kleinwüchsigen, Siamesischen Zwillingen oder Albinos. Und er war als windiger Geschäftsmann bekannt. Neben den Minstrel- und Vaudeville-Shows und den Wild West Shows von Buffalo Bill eine der Wurzeln des amerikanischen Showgeschäfts. Im angeblich von einem gewissen Phillip Loeb geschriebenen Brief desGouveneurs von Lousiana, Huey Long, sagt dieser:

„Und doch muss ich eines zugeben: Du hast Amerika verstanden. Du wusstest, dass dieses Land voller Männer ist, die bereit sind, jedem lauten Narren zu glauben, der ein Banner, eine Blaskapelle und genug Unverschämtheit besitzt, um den nächsten Lügner zu übertönen.“
Ein Kommentar zur Präsidentschaft Trumps? Sicher auch. Aber es geht weiter. Nicht nur gegen das Entertainment wettert Long, sondern auch gegen die Banken und die Reichen:
„Du hast die Dummheit der Menschen für Profit ausgenutzt. Ich nutze ihren Zorn für Macht. Du hast Taschen gefüllt; ich habe vor, Mägen zu füllen. Dein Zirkus lenkte die Armen ab, während Bankiers sie bis auf das Hemd ausraubten. Meiner zeigt direkt auf die Diebe. Du hast Amerika gelehrt, dem Betrug zu applaudieren. Die Wall Street hat ihn perfektioniert. Jeder Bankier in New York ist nur ein Barnum mit saubererem Kragen und einer längeren Liste von Opfern. Sie versprechen Wohlstand, während Bauern ihr Land verlieren, Arbeiter in den Fabriken hungern und Kinder dünner aufwachsen als Zaunlatten. Wenigstens waren deine Elefanten echt. Du hast einmal gesagt, dass jede Minute ein Dummer geboren wird. Die Reichen haben daraus nationale Politik gemacht. Sie verkaufen den Hungrigen Patriotismus und nennen Elend „Freiheit“. Sie stellen Millionäre zur Schau, als wäre Reichtum an sich eine Tugend. Ein Parasit in Seide bleibt ein Parasit.“

Gerade letzterer Satz könnte auch eine Kennzeichnung des Prunks der Trump-Sippe sein. Soweit, so radikal und durchaus auch nicht ganz falsch, die Analyse. Nur gehört zur historischen Wahrheit auch, dass Long durchaus autokratisch regierte und wohl auch Verbindungen zur Mafia hatte. Der Autor James Lee Burke spießt dies in seinen Louisiana-Krimis rund um Dave Robicheaux immer wieder auf. Der Politiker, der radikale Umverteilung propagierte, war ein mafiöser Autokrat. Wie passt das zusammen und wie ernsthaft war Longs antikapitalistischer Ansatz? Das erinnert an manch lateinamerikanische oder südosteuropäischen Linkspopulisten, die es oftmals mit der Demokratie nicht so ernst meinen. Dylan zeigt uns wieder einmal Ambivalenz in Reinform.
Marlon Brando schreibt an Malcolm X
„Du sprichst mit einer Kraft, die keinen Raum für Kompromisse lässt, und obwohl diese Ehrlichkeit selten ist, verengt sie auch den Kreis derer, die ohne Zögern an deiner Seite stehen können. Macht isoliert. Wahrheit, unverblümt ausgesprochen, isoliert noch schneller. Du bist niemandem Trost schuldig, das respektiere ich. Aber Revolutionen entstehen nicht allein durch Respekt. Sie brauchen Menschen, Reibung, Widerspruch. Sogar Menschen, denen man lieber nicht trauen würde. Gerade sie. Wenn deine Stimme so scharf wird, dass nur noch die bereits Überzeugten sie ertragen können, dann braucht die Opposition dich nicht einmal zum Schweigen zu bringen. Sie wartet nur ab.“
Mit diesen Worten bringt der fiktive Brando im nicht abgeschickten Brief an Malcom X dessen Schwäche, die Basis seiner Bewegung zu verbreitern, auf den Punkt. Und weiter:
„Ich kenne den Apparat, gegen den du antrittst. Er leistet nicht nur Widerstand; er absorbiert, verzerrt und verpackt alles neu. Er macht aus Rebellion ein Spektakel und aus Empörung ein Konsumgut. Du bist einer der wenigen Männer, die sich weigern, auf diese Weise verdaut zu werden. Diese Weigerung ist deine Stärke. Sie ist aber auch das, was dir mit fetter, unübersehbarer Tinte eine Zielscheibe auf den Rücken malt. Ich rate dir nicht, nachzugeben. Das wäre eine Beleidigung. Ich frage dich, ob du gewinnen willst oder ob es dir nur darum geht, ungebrochen zu bleiben. Das ist nicht dasselbe.“
Tatsächlich: Während Martin Luther Kings Bürgerrechtsbewegung auch viel Unterstützung aus anderen Teilen der Bevölkerung erfuhr, war Malcolm X sicher der radikalere, aber eben nicht der wirkungsvollere Anführer. Brando schreibt auch:
„Wenn ich dir etwas anbieten kann, dann ist es keine Weisheit, sondern Zugang. Zutritt zu Räumen, in die du sonst nicht eingeladen würdest. Zu Gesprächen, die Neutralität heucheln, während sie im Stillen die alten Hierarchien zementieren. Ich kann Türen öffnen, aber ich werde nicht so tun, als würde das Öffnen daran etwas ändern, was sich dahinter verbirgt. Es gibt dir lediglich die Möglichkeit, einzutreten und das vorgegebene Drehbuch zu durchbrechen. Du hast bereits bewiesen, dass du keine Angst vor Konsequenzen hast. Das ist offensichtlich. Die Frage ist, ob du bereit bist, jedes verfügbare Mittel einzusetzen – auch die unangenehmen –, um den Ausgang der Dinge zu beeinflussen, anstatt ihn nur offenzulegen. Ich werde deine Zeit nicht mit Lob verschwenden. Du brauchst es nicht, und ich traue ihm nicht. Aber eines sage ich dir: Männer wie du sind selten, und wenn sie auftauchen, ordnet sich die Welt mit Gewalt neu, um mit ihnen umzugehen. Entscheide selbst, wie diese Neuordnung enden soll.“
Die im Brief verwendeten Worte „Zielscheibe“ und „Gewalt“ sind natürlich überdeutliche Hinweise auf den Tod von Malcolm X bei einem Attentat 1965. Dylan steht von seinem ganzen Wertesystem sicher dem Pastor Martin Luther King näher als Malcolm X.
Humphrey Bogart schreibt an Elvis Presley
Und zum Schluss dieser exemplarischen Exegese abermals ein Hinterfragen des Selbstverständnisses und der Leitlinien eines Künstlers. Humphrey Bogart, der großartige Verkörperer von gebrochenen Figuren kritisiert in seinem fiktiven Brief Elvis Presley wegen dessen leichtfertigen „Nummer sicher“:
„Du hast etwas, für das die meisten Männer ihre Seele verkaufen würden: Präsenz. Eine gewisse elektrische Ausstrahlung. Diese rohe Anziehungskraft, die Menschen dazu bringt, sich vorzubeugen, ohne genau zu wissen, warum. Doch anstatt daraus etwas Gefährliches, etwas Bleibendes zu formen, hast du zugelassen, dass es in Glitzer, billigen Drehbüchern und Managern erstickt, die dich wie einen Spielautomaten behandeln, der unaufhörlich Gewinne ausspuckt … Ein Vermächtnis schafft man nicht, indem man in die Kamera lächelt und auf Knopfdruck mit den Hüften wackelt. Man schafft es, indem man Nein sagt, wenn es darauf ankommt. Indem man dem schnellen Geld und den schlechten Ideen den Rücken kehrt. Indem man die Leute auch mal unbehaglich berührt – denn genau dort liegt die Wahrheit. Im Moment spielst du auf Nummer sicher; und „sicher“ ist nur ein anderes Wort für „vergessenswert“.“

Denn während Presley sich von seinem Manager in die künstlerische Belanglosigkeit führen ließ, war Dylan der Prototyp eines Künstlertypen, der früh eigene Entscheidungen trifft, auch wenn die riskant sind. So wie seine Hinwendung zum Rock 1965 oder sein fast vollständiger Ausstieg aus dem Musikbusiness zwischen 1966 und 1972, in Folge dessen er sich auch von seinem Manager Albert Grossman trennte. Während Presley bis zu seinem tragischen Tod 1977 unter der Fuchtel des Colonel blieb. Und nie außerhalb der USA tourte.
Und wenn Bogart schreibt, man müsse die Menschen auch mal unbehaglich berühren, schwingt auch hier die Dylan’sche Eigenheit mit, immer wieder ungeahnte Haken zu schlagen und Erwartungen zu unterlaufen.

Es sind bislang 13 nie versendete Briefe veröffentlicht worden. Neben den großen historischen Figuren und Zeitläufen wird aber auch von eher zweitklassigen Komikern oder Schauspielern erzählt. Alles in allem sind die „Letters Never Send“ ein El Dorado für alle Dylan-Freunde. Auch wenn nicht sicher ist, wer diese Briefe letztendlich geschrieben hat, so finden sich darin immer wieder typische Dylan-Denkfiguren, Bilder oder Formulierungen wieder.
Und das macht sie für alle Dylanfreunde so interessant. Es lohnt sich, sie unvoreingenommen zu lesen.