Ein Gespräch mit Nicole Frölich über „Police“, Sting, Dylan und Americana
von Thomas Waldherr
Nicole Frölich, geboren 1968, ist Diplom-Sozialpädagogin und zertifizierte Sozialmanagerin und arbeitet als Bereichsleiterin der Wohnungsnotfallhilfe der Regionalen Diakonie Darmstadt-Dieburg. Außerdem ist sie für die Grünen ehrenamtliche Stadträtin im Magistrat der Stadt Darmstadt. Im Herbst besuchte sie anlässlich des 10-jährigen Bestehens erstmals eine Veranstaltung der Darmstädter Americana-Reihe. Key West hat sich mit ihr darüber unterhalten, wie diese Musik auf sie wirkt, wie sie selber musikalisch sozialisiert worden ist und ob es Parallelen im Wirken der Künstlerfiguren Sting und Bob Dylan gibt.
Key West: Nici, Du warst in Deiner Jugend ein richtiger Punk, oder?
NICOLE FRÖLICH: Ja, ich war optisch Hard-Core-Punk mit Irokesenschnitt und Nietenjacke. Es hat mir gefallen, damit gegen Establishment und Erwachsene zu rebellieren. Musikalisch habe ich aber gar nicht so viel Punk gehört. Eher New Wave wie „The Fall“, „The Residents“ oder „XTC“. Seit meinem 12. Lebenjahr haben mich “The Police” begeistert. Ich habe bei einer Freundin 1980 die WDR-Rocknacht mit The Police gesehen und es war um mich geschehen. Das Album „Regatta de Blanc“ war dann eine Offenbarung für mich. Drei Männer, die vor musikalischer Kraft nur so strotzten und Punk, Reggae und Jazz verbanden. Sie haben damit etwas ganz Eigenes geschaffen. Später habe ich dann auch lange sehr intensiv Stings Solokarriere verfolgt.

(Nicole Frölich)
Du warst im Oktober erstmals auf einer Americana-Veranstaltung. Wie hast Du die Musik empfunden, wie hat sie auf Dich gewirkt?
NICOLE FRÖLICH: Bei der ersten Gruppe musste ich unwillkürlich an „Bonanza“ und das Westernreiten denken, das ich in meiner Jugend betrieben habe. Danach war ich von der Vielfältigkeit überrascht und habe mich wirklich immer gut unterhalten gefühlt. Ich hatte mich vorher nie näher mit Countrymusik beschäftigt, weil ich sie immer eher mit den Konservativen in Amerika verbunden habe.
Du bist ein großer Sting-Fan. Gibt es da irgendwelche Parallelen zu Bob Dylan?
NICOLE FRÖLICH: Bei Bob Dylan geht mein Wissen nicht sehr tief, da habe ich jahrelang auch nur gewusst, dass das der Typ ist, der „Blowin‘ In The Wind“ geschrieben hat. Und in Stings Werk kommt er im Grunde auch nicht wirklich vor. Sting spielt schon öfters Stücke von den Beatles oder von Hendrix. Ich glaube, er hat auch mal zwei Dylans-Songs irgendwo veröffentlicht, aber Dylan spielt wohl als direkter Einfluss keine so große Rolle. Es gibt wohl ein gemeinsames Bild von Sting und Dylan mit Andy Warhol, aber das war es dann schon mit direkten Begegnungen. Was bei ihnen aber gleich ist: Auch Sting ist quasi auf Dauertournee. Aber es sind bei Sting immer die gleichen Songs, die man immer schon so gehört hat. Das ermüdet auch mich auch als großen Sting-Fan zusehends.
Kannst Du Dir vorstellen, zukünftig mehr Americana zu hören und Konzerte zu besuchen?
NICOLE FRÖLICH: Americana-Konzerte, na klar! Außerdem habe ich mich wieder an die Band „Wall Of Voodoo“ erinnert, die ich sehr gerne gehört habe, und die stark vom Country beeinflusst war. Country ist doch nicht nur konservativ.
[…] „Ich bin mit The Police und New Wave musikalisch sozialisiert worden“ – ein Interview mit Nicole Frölich […]
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