Noch einmal dekonstruieren und dann?

von Thomas Waldherr

Rough & Rowdy Ways-Tour 2021- 2024 biegt in die Zielgerade/ Rückblick auf die drei Frankfurter Konzerte

Vor dem Beginn der Herbsttour geisterte das Gerücht durch die Dylan-Welt Greg Leisz könnte den Multi-Instrumentalisten Donnie Herron ersetzen, der vor der sommerlichen Outlaw-Tour die Band verlassen hatte. Doch nun weiß man, Dylan legt gar keinen Wert auf einen Ersatz. Er nimmt die musikalische, instrumentelle Verschlankung nicht nur in Kauf, er will sie ausdrücklich. Wer Dylan in Frankfurt vom 16. bis 18. Oktober gesehen hat, der sah eine Band in der Dylan absolut im Mittelpunkt stand. Zentral mit seinem Baby Grand Piano ordentlich – für Dylan-Verhältnisse! – ausgeleuchtet in der Bühnenmitte, haut er voller Hingabe in die Tasten. Spielt nicht nur die Melodie, sondern auch Soli, Schnörkel und Girlanden. Er bläst ebenso fleißig in die Mundharmonika. Und versteckt sich nicht nur nicht mehr hinter dem Klavier, er verlässt seine Komfortzone, und tapst und stakt und schleicht immer wieder zur Bühnenmitte und wieder zurück zum Klavier. Er weiß um seine mittlerweile körperlichen Einschränkungen, er ist nicht mehr so ganz gut zu Fuß. Aber das nimmt er voller Leidenschaft für seine Kunst hin.

Voller Hingabe und Engagement in Frankfurt

Und dass muss man wirklich sagen, an allen drei Tagen in der Mainmetropole hatte man nicht einmal das Gefühl, Dylan hätte den Autopilot eingestellt, das man ja durchaus auch schon erlebt hat. Nein, Dylan war mit so viel Engagement unterwegs, er schonte sich nicht. Es waren drei tolle Abende! Bei allen drei Konzerten ragten aus dem Programm „It Ain’t Me Babe“, „Desolation Row“, „When I Paint My Masterpiece”, “Mother Of Muses”, “It’s All Over Now, Baby Blue” (unwiderstehlich!) und natürlich “Every Grain Of Sand” heraus. Dagegen fielen „Crossing The Rubicon“ (etwas langatmig) und „Jimmie Reed“ (etwas unfokussiertes Arrangement) ab, alles andere fügte sich gut ein.

Der zweite Abend war der schönste!

Das schönste Konzert war für mich der zweite Abend. Nach Anlaufschwierigkeiten im ersten Konzert – trotzdem sprang der Funke über und die Menschen tanzten, gleichzeitig war das Publikum sehr unruhig, viele pendelten ständig zwischen Innenraum und Bierständen im Foyer – waren Dylan und die Band im zweiten Konzert viel fokussierter und das Publikum ebenfalls konzentrierter bei der Sache. Und dann war er wieder da; Dieser überirdische Moment beim Harmonikasolo in „Every Grain Of Sand“. Teile des Konzertes waren pure Magie.

Zeit für etwas Neues

Das dritte Konzert bestätigte dann das Niveau des zweiten, ohne dessen Magie zu erreichen. Und dort, beim dritten Konzert in Frankfurt, meinem Achten – 3 x Berlin 2022, 2 x San Sebastian-Donostia 2023 und 3 x Frankfurt 2024 – der nun zu Ende gehenden Rough & Rowdy Ways-Tour 2021- 2024, habe ich mich, bei aller Freude an den musikalischen Darbietungen der Bob-Band, dann doch dabei ertappt, mir etwas ganz Neues zu wünschen.

Auf meinem Cowboy Band Blog habe ich mich zum Fenster hinausgelehnt und erkläre die RARW-Tour für auserzählt. Abend für Abend neun Songs von diesem Album – er hat sie nun mehrmals auseinandergebaut, dekonstruiert und neu zusammengesetzt, und sie umarrangiert. Ihnen würde eine Pause guttun.

(Dylan bei einem Konzert 2019, Quelle: Wikimedia Commons)

Spannende Monate kommen auf uns zu

Beim Outlaw-Festival hat Dylan gezeigt, was er auch spielen könnte. Die Frage ist ja, geht er 2025 überhaupt wieder auf Tour? Vielleicht mit einem bunten Programm wie bei der Outlaw-Tour? Oder kommen noch einmal neue Dylan-Originalsongs auf einem Dylan-Album heraus und stehen dann im Mittelpunkt eines neuen Konzertprojekts? Die nächsten Monate werden spannend wie nie in der Dylan-Welt.

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