Rudolstadt 2024 – ein kleiner Festivalbericht von Richard Limbert

von Richard Limbert

(Mitsune, Foto: Shi.Fauzia)

Zwischen dem 6. und 9. Juli fand 2024 das Tanz- und Folk-Festival statt. In den 90ern aus dem Tanzfestival aus DDR-Zeiten hervorgehend gegründet, ist es mittlerweile eines der größten Anlaufpunkte für Musikerinnen und Musiker im Bereich Folk, Weltmusik, Singer-Songwriter, Liedermacher und vieles mehr, was einen Schwerpunkt auf handgemacht und akustisch legt. Es ist eines der größten Festivals dieser Art in Deutschland, wenn nicht Europas und hatte dieses Jahr über vier Tage verteilt eine Vielzahl von Musiker*innen und Bands im Angebot. Zehntausende Besucher und Besucherinnen hat das Festival in der kleinen Stadt an der Saale dieses Jahr angezogen.

Freundlicherweise hat das Orga-Team des Rudolstadt-Festivals auch das Key West Magazin dieses Jahr eingeladen. Ich hatte vier Tage großen Spaß auf diesem vielseitigen Musikfestival und beschreibe meine Eindrücke gerne.

Im Vorfeld muss gesagt werden: All das ist nur eine kleine Auswahl der Musiker*innen die ich überhaupt sehen konnte. In der Retrospektive habe ich das Gefühl nur einen Bruchteil der Musiker*innen sehen zu können die ich eigentlich sehen wollte und das hier ist alles wirklich nur ein kleiner Ausschnitts einer sehr großen Breite an Musik, die man in diesen tagen in wirklich jeder Gasse und Ecke von Rudolstadt sehen konnte. Ich habe mich deshalb nur auf sieben Acts beschränkt.

Donnerstag Abend um 21 Uhr, Große Bühne Heinepark:

Julian Marley

(Foto: Shi.Fauzia)

Wer hätte gedacht, dass einmal einer der sechs Söhne Bob Marleys in Rudolstadt spielen wird? Julian Marley spielte quasi als Opener des Festivals Donnerstag Abend vor einer aufgeheizten Menge. Die Sonne stand schon tief, der Himmel war wolkenfrei, die Szenerie war malerisch als Julian Marley die Bühne betrat. Im Publikum roch man bereits, dass nicht nur Zigaretten selbst gedreht wurden. Eine ziemlich große Band hat Julian Marley hier angeschleppt. 3 Backgroundsängerinnen, zwei Schlagzeuger und eine kleine Armee weiterer Musiker*innen machten hier ganz schön Druck. Julian hält ganz an der Reggae-Tradition seines berühmtes Vaters fest. Die Band hatte vielleicht beim ersten Song noch ein bisschen Schwierigkeiten, aber von Anfang an war ich schon voll überzeugt: hier habe ich einen Musiker vor mir, der sein Erbe ernst nimmt. Er spielte eine schöne Melange: eigene Stücke, aber auch Three Little Birds und andere bahnbrechende Bob Marley-Songs, bei denen das Publikum sichtlich erfreut mitsang. Und das Publikum war auf jeden Fall bereit für diesen Opener: es wurde mitgetanzt, gewippt, gesungen, genossen und gesungen. Ich glaube, Julian Marley war ein gute Wahl das Festival zu eröffnen. Da war Energie drin, aber auch Feingefühl und eine klare Ansage: let’s celebrate the heritage of Reggae.

Insgesamt ein sehr schönes Konzert das bis in die Nacht die Menge auf drei weitere Tage verschiedenster Spielarten von Musik vorbereiten konnte.

Freitag um 14:30 Uhr, Bauernhäuser:

David Lübke Trio

(Foto: Shi.Fauzia)

Wahrscheinlich einer der Musiker, auf die sich die meisten als Newcomer gefreut haben. David Lübke kommt zwar aus einem beschaulichen Städtchen in Westfalen, er hat seit ein paar Jahren aber in der ganzen Bundesrepublik von sich hören lassen im Bereich des deutschsprachigen Folk.

Und da steht er mit Bob Dylan-Kappe und Cordhose auf der Bühne an den Bauernhäusern am Freitag Nachmittag. Das Trio wird ergänzt durch Cello und Geige. Hier wird im Vorfeld Kontext gegeben: von den Reisen auf der Liedermacher-Walz erzählt uns der Moderator, die David Lübke da durch Deutschland gemacht hat. Schnell wird es nostalgisch und die Latte ganz schön hoch angesetzt. Doch als David und Mitmusiker den ersten Song anstimmen ist schon allen klar, dass hier nicht zu hoch gegriffen wurde. Irgendwie in einer flotten Mischung aus Country und Folk aus den USA und deutschem Liedermacher der 60er und 70er und ganz frischem Witz leitet uns das David Lübke Trio durch die knappe Stunde Konzert. Und dabei hat David immer was zwischendurch zu erzählen, ohne dass es aufdringlich wird. Manchmal holt der das Banjo raus, wird ein bisschen zu Pete Seeger und dann singt das gesamte Trio auch diesen wunderschönen Harmoniegesang. Ja, man merkt, dass hier jemand seine Hausaufgaben gemacht hat. David Lübke hat auch schon in den USA musiziert und dabei viel von lokalen Country- und Bluegrass-Bands gelernt. Meine Highlight hier das Lied über den Apfelbaum und ein träumerischer, flotter Song übers einfach auf und davonmachen: „Weit, weit weg“. Mittlerweile füllt das David Lübke Trio nicht umsonst die Hallen des Festivals.

Freitag um 17 Uhr, Schillergarten:
Profolk Sessions

Was gibt es schöneres als sich unter gemeinsamen Zielen zusammenzufinden, für die man gerne einsteht? Die Jungs und Mädels von Profolk machen genau das: sie setzen sich für Folk auf deutscher Sprache ein, der mit der Volksmusik, die man sonst kennt nicht immer etwas zu tun hat. Aktives Liedermaching, Umtexten von alten Melodien, archivarisches Suchen nach längst vergessen Stücken, damit beschäftigen Sich die Mitglieder der Profolk e.V.. Den Verein gibt es schon seit 1984, vor allem seit den letzten Jahren kommt hier aber viel frischer Wind mit. Es gibt eine DeutschFolk-Initiative, die verschiedene Regionen Deutschlands musikalisch der breiten Öffentlichkeit präsentieren will und beim Bardentteffen in Nürnberg sind sie auch schon seit 10 Jahren dabei.

Freitag Nachmittag im idyllischen Schillergarten – ein bisschen versteckt – stellte sich der Profolk-Vorstand ganz ungezwungen vor. Jede und jeder erzählt etwas über sich und trug ein Lied vor, egal ob selbst geschrieben (wie zum Beispiel bei Vorsitzender Peggy Luck und Tom Liebert) oder spielten ein altes Volkslied (wie Gunnar Wiegand ein Lied auf Düsseldorfer Platt („D’r Noopersch Pitter“) oder Thomas Strauch ein skurriles Stände-Lied der Leinenweber („Die Leineweber haben eine saubere Zunft“)). Total toll war auch eine kleine Präsentation eines Tanzes des bis 2012 noch unbekannten riesigen Konvoluts an frühneuzeitlichen Volkstänzen, der Sammlung Dahlhoff mit fast 1000 Tänzen. Hier vorgetragen im Trio mit Dudelsack, Gitarre und Geige. Es war also wahrlich eine bunte Präsentation.

Im Anschluss versammelten sich alle Anwesenden, die selbst ein Instrument in die Hand nehmen wollten unter einer alten Eiche und es wurde gemeinsam gejamt. Es wurde eine sehr gemütliche Hootenanny da in Rudolstadt mit deutschen Volkslieder. Hier hat man den Kern von Folk als Musik der Demokratie vielleicht am besten fassen können.

Profolk e.V. macht tolle Sachen! Informieren kann man sich hier auf ihrer Webseite:
https://www.profolk.de/

Freitag um 19 Uhr, Saalestrand:

Mäkkelä & The Black Elephant Band

(The Black Elephant Band, Foto: Shi.Fauzia)

Wer sich mit Antifolk und Folk-Punk aus Deutschland der letzten Jahre beschäftigt, der wird den Namen The Black Elephant Band bestimmt gehört haben. Hinter diesem etwas merkwürdigen Namen versteckt sich keine Band, sondern ein Songwriter aus Nürnberg. The Black Elephant Band ist dazu noch Buchautor und prinzipiell ein Gesamtkunstwerk. Er schreibt Songs über Shampoo, das bei der Morgendusche die Hand verfehlt, einen ganz friedlichen Schnaps-Krieg zwischen Kanada und Dänemark und explodierende Wale. Eben alles über das man sich im Alltag so Gedanken macht (oder machen sollte). Dazu schrammelt die Gitarre, die Stimme klingt wie Kermit der Frosch auf einem Bob Dylan-Imitator Wettbewerb. Es ist großartig! Zwischen Mundharmonikaeinlagen und charmanten Song-Ansagen war es eine Freude am Saalestrand im Sand zu sitzen, während im Hintergrund gerade eine Menschenmenge das EM-Spiel zwischen Deutschland und Spanien sieht und einfach nur diesen Musikern zu lauschen. Besonders witzig war die Situation, in der The Black Elephant Band gerade einen sonst selten gespielten Song beendet hat und die gesamte Menge völlig außer sich johlte (Deutschland hat gerade das Tor geschossen). Als Kommentar kam nur „Oh, den Song sollte ich wohl doch öfter spielen.“

(Mäkkelä, Foto: Shi.Fauzia)

Dazu spielte als Opener und immer wieder mittendrin Mäkkelä. Mit Cowboyhut und langsam im Rhythmus wankend kam man sich vor wie einem düsteren Cowboy begegnend, der nachts um 2 aus dem Saloon wankt und einem noch so manche Weisheit auf den Weg geben kann. Hier wechselte Mäkkelä nicht nur zwischen Gitarre und 8-saitiger Mandola, sondern spielte auch einen schönen Wechsel zwischen eigenen Stücken. Vor einem Song übers Scheitern kam die Ansage „Ein Lied über eine Profession, an die ich mich schon seit über 40 Jahren versuche.“ Begonnen hat alles mit dem Minenarbeiter Folk-Hit Dark As A Dungeon von Merle Travis. Später spielten beide zusammen auch ein paar Songs, wie zum Beispiel das grandiose Orange Juice von Stanley Brinks. Alles hat gescheppert, aber genau so war es perfekt. Beide waren hier als Vertreter des Folk-Kollektivs Folk’s Worst Nightmare, das noch so manche andere*n Musiker*in von diesem Kaliber vertritt.

Für mich der Geheimtipp des Rudolstadt-Festivals. Zwischen alten Folksongs über Bergarbeiter und persönlichen Songs, zwischen charmanter Selbstreflexion und völligem absurden Nonsense hat man mit The Black Elephant Band & Mäkkelä genau das, was man von einem Folk-Konzert haben will. Diese Namen sollte man sich also merken, oder vielleicht auch selbst mal einen Trip nach Nürnberg machen.

Freitag um 22 Uhr, Große Konzertbühne:

Sonic Interventions

(Foto: Shi.Fauzia)

Sonic Interventions sind ein internationales Musikkollektiv, das sich 2020 aus Musiker*innen verschiedenster Länder gegründet hat. Dabei sind Südafrika, Mali, Peru, Kuba, Brasilien, Ghana und viele mehr. Bereits eine Stunde vorm Konzert saßen wir auf einer Picknickdecke und konnten sehen, wie der großgewachsene Tänzer Exocé Kasongo aus dem Kongo seine Übungen auf der Wiese machte. Allein das war schon faszinierend. Aber sobald die Menge sich sammelte, die Sonne langsam Richtung Horizont wanderte und die Band nach dem Soundcheck die ersten Töne von sich gab, war die Atmosphäre so dick, man hätte sie schneiden können.

Hier geht es nicht um einzelne Songs, um mitsingbare Refrains oder durchkomponierte Stücke. Sonic Interventions arbeiten mit Improvisation. Das Publikum war von der ersten Minute an gepackt und tanzte sofort mit. Und auch mich als Nicht-Tänzer juckte es ziemlich schnell in den Beinen. Sonic Interventions muss man definitiv live erleben. Und je später der Abend wurde, desto besser wurde die Band. Vor allem lebt die Aura der Performance durch Kasongo, der mit seinem muskulösen Körper und ausdrucksstarken Tanzen der Musik Form gibt. Die Band hat 12 Mitglieder mitsamt mehreren Perkussionisten, drei Sängerinnen und zwei Bassisten. Dazu etwas Holz- und Blechblas-Einwürfe und der Groove sitzt. Die Musik von Sonic Interventions überzeugt, aber vor allem ist es eben die Show, die man am besten in einem ganz engen Club in Berlin um 2 Uhr nachts erlebt. Und dafür wird es in der Zukunft hoffentlich noch die ein oder andere Möglichkeit geben.

(Foto: Shi.Fauzia)

Sonntag um 14 Uhr, Altes Rathaus:

Tarawangsa Rancakalong – Indonesian Folk Group, tarawangsa Musik

(Foto: Shi.Fauzia)

Die indonesische Kultur ist etwas, dass man kaum als ganzes beschreiben kann. Durch die Kolonialisierung ab dem 16. Jahrhundert wurden lokale Religionen und Bräuche ausgelöscht, die Sprache wurde in den 20er Jahren von den niederländischen Kolonialherren als Kompromiss der verschiedenen lokalen Sprachen zusammengezimmert. Trotzdem bleiben die verschiedenen Kulturen Indonesiens bis heute teilweise sehr unterschiedlich.

Eine Facette der verschiedenen Kulturen Indonesiens konnte man Sonntag um 14 Uhr im Alten Rathaus kennenlernen. In einem Workshop mit Vortrag, Fragerunde und Tanz wurde die Musik West Javas auf dem Tarawangsa-Instrument präsentiert. Nicht nur ist das der Name eines zweiseitigen Streichinstruments, sondern diese Musikpraktik spielt eine große Rolle bei Inititationsprozeduren. Gemeinsam mit anderen Musikinstrumenten wird hier ein Tanzritual vollführt, dass in Gruppen teilweise die ganze Nacht lang läuft. Vor allem bei der Einweihung eines neuen Reisfelds, beim Hausbau oder der Beschneidung kann man den Tanz mit Tarawangsa auf West-Java noch heute manchmal erleben. Mit ein paar sprachlichen Schwierigkeiten gespickt hat das Ensemble Tarawangsa Rancakalong im alten Rathaus in Rudolstadt hier diese seltene Zeremonie erklärt. Der Übersetzer musste hier teilweise richtig schwierige Beschreibungen übersetzen aber die Gruppe wirkte extrem sympathisch. Danach wurde der Tanz mit der hypnotisierenden, repetitiven Musik nicht nur vorgeführt, sondern man konnte danach gleich mittanzen. Hier hat man das Erbe des Tanzfestivals in Kombination mit klassischen Feldern der Volksmusikforschung in einer faszinierenden Mischung erlebt. Später am Sonntag wurde die ganze Zeremonie dann auch mit Opfergaben und Bühnenbild abgehalten, jede und jeder Teilnehmer des Workshops konnte hier auch mittanzen.

(Foto: Shi.Fauzia)

Sonntag um 15 Uhr, Burgterrasse:

Düsseldorf Düsterboys

In den letzten Jahren konnte man ByteFM kaum einschalten, ohne zumindest ein paar Takte der Düsseldorf Düsterboys zu hören. Das Mainzer Art-Folk-Duo schafft es, die Welt der Indie-Musik und sphärischen Folk doch immer wieder anzureichern, was man kaum noch für möglich halten könnte. Ich glaube, in fast jeder WG-Küche, in der irgendwo ein Geisteswissenschafts-Studi wohnt lief irgendwann schon ein Düsseldorf Düsterboys-Song im Hintergrund.

(Foto: Shi.Fauzia)

Ich machte mich am Sonntag Nachmittag also auf, die Treppenstufen Richtung Burg zu erklimmen um mir selbst ein Bild der psychedelischen Boys zu machen. Die Szenerie war auf jeden Fall perfekt: während es im Vorfeld noch hieß, an diesem Wochenende sollte es die ganze Zeit bewölkt sein, regnete es Samstag Nachmittag unwetterartig und Sonntag gab es strahlend-blauen Himmel. Auf der großen Wiese an der Burg, neben der alten Steintreppe, spielten die Düsseldorf Düsterboys also im Duo ihre Songs, während die Menge andächtig zuhörte. Irgendwie fühlte man sich ein bisschen wie auf einem Simon & Garfunkel Konzert. Nur spielen beide Gitarre. Ansonsten gab es viel Harmoniegesang und schönes Gitarrenfingerpicking. Schlussendlich muss ich aber sagen, dass die Aufnahmen der Düsseldorf Düsterboys auf ByteFM mich mehr abholen. Das Duo lebt eben von einem träumerischen 60s Sound mit vielen Klangexpemerimenten und the Doors-artigen getragenen Fiebertraum-Gesang mit viel Echo und Volumen. Bei einem Duo, dass live am Sonntagnachmittag mit Gitarre runtergebrochen seine Songs spielt fehlt mir einfach das Etwas. Vielleicht wäre hier ein Gig mit Band und in den schummrigen Abendstunden bei ein paar Bier besser gewesen. Durch das pur Folkige tragen sich die Boys eben nicht, da braucht es noch eine Zutat.

Sonntag um 17 Uhr, Große Bühne Heinepark:

Eric Bibb

(Foto: Shi.Fauzia)

Was kann man zu Eric Bibb noch sagen? Wie komplett richtig im Deutschlandfunk beschrieben, hat man hier edlen Blues mit Understatement auf der Bühne. Man hört trotz folkiger Erdigkeit die 80er und 90er gut raus in der Musik des mittlerweile über 70jährigen Bibb. Eric Bibb war einer der wenigen, die im New York der 70er und 80er Jahre die Fahne für den bluesigen Folk und Civil Rights Movement-inspirierten Blues hochgehalten haben. Der Taufsohn von Paul Robeson und Sohn des Schauspielers und Sängers Leon Bibb hat hier richtig abgeliefert. Eine Mischung aus klassischen Blues-Stücken, wie Going Down Slow, neuartigem Bluesrock wie With My Maker I am One und richtig straightem Rock wie In My Father’s House gab es eine Show, die wenig Raum für ein Anecken ließ, aber auch eine treibende Energie präsentierte. Dabei greift Bibb immer wieder in die Geschichte des Blues, Gospel und Folk und holt bekannte und unbekannte Songs aus der US-Musikgeschichte hervor. Bibb ist wirklich ein Musiker mit Haltung und Verstand für das Große ganze. Für ein paar Titel kam auch seine Frau Ulrika mit auf die Bühne, richtige Festivalatmosphäre. Danach konnte ich noch ein kleines Interview mit Eric Bibb führen und habe den Auftritt noch etwas mehr beschrieben. Zu lesen gibt es das hier. Hier erzählte er mir zum Beispiel, dass Bob Dylan ihm als Kind schon den Tipp gegeben hat, das ganze fancy Gefrickel auf der Gitarre sein zu lassen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Er scheint sich daran gehalten zu haben: irgendwie macht Eric Bibb das heute immer noch so.

(Foto: Shi.Fauzia)

Hier die Songs, die Bibb Sonntagabend auf der Großen Bühne gespielt hat mit ein bisschen Hintergrund:

Silver Spoon

Going Down the Road Feelin Bad (trad., von John Cephas gelernt)

Bring Me little Water Sylvie (trad., vor allem durch Leadbelly bekannt geworden)

With a Dollar in my Pocket

With My Maker I Am One

Refugee Moan

500 Miles (trad.)

Goin Down Slow (St. Louis Jimmy Oden, z.B. auch von Howlin‘ Wolf gespielt)

Saucer & Cup

Come Back Baby (Walter Davis, hier stark an die Dave van Ronk-Version angelehnt)

Don’t Ever Let Nobody Drag Your Spirit Down

Send Us Brighter Days (mit Ulrika Bibb)

Needed Time ((mit Ulrika Bibb), trad. Gospel, aber auch u.a. von Lightnin Hopkins gespielt)

In My Father’s House

Inoffizielle Straßenmusiker und -musikerinnen und andere Acts:

Natürlich lebt das TFF Rudolstadt zu großen Teilen von allem, was in den kleinen und großen Gassen der Stadt passiert. Überall gab es kleinere Truppen und Solomusiker, die ganz unangemeldet musizierten. Von Akkordeon bis Ukulele hat man hier die freie Wahl. Zu empfehlen sind hier zum Beispiel The Murrays aus Leipzig. Falko Rudrick und Marci Richter machen hier im Duo mit zwei Akustikgitarren richtig schön sphärischen Psychedelic Folk. Marci hat mit seinem Kaffee-Stand sowieso einen Nebenjob auf dem festival, warum da nicht auch mit seinem Kumpel Falko imn die Saiten hauen? Komplett mit Sonnenbrille, Strohhut und Poncho spielen die zwei ganz Verschiedenes. Wie Marci mir gesagt hat: „Wir covern interpreten wie beispielsweise Lou Reed, Queens of the Stone Age, Iggy Pop, Tame Impala uva.“ aber auch eigenes Material. Ein Trip in die 60er Jahre, die es so nie gab. Übrigens suchen die zwei noch nach einem Bassien oder Drummer.

Dazu gab es noch andere Bands, die auf dem Rudolstadtfestival gespielt haben, die ich leider nicht live sehen konnte. Meine Fotografin Shi.Fauzia hat hier aber Mitsune gesehen. Ein illustres Ensemble mit japanischem Kern und Musikern aus verschiedenen Ländern, die Songtexte sind auf Japanisch. Von japanischen Kinderliedern über Tupperware bis abgefahrerenem Neo-Folk war vieles dabei. Und die japanische Shamisen wurde auch gespielt, das hat man selten.

(Mitsune, Foto: Shi.Fauzia)

Summa summarum war das Festival dieses Jahr eine schöne Mischung aus den demokratischen Wurzeln einer urigen Volksmusik und neuen Elementen, die über den Tellerrand hinausblicken. Und das geht auch mit Länderschwerpunkt Deutschland.

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an das Rudolstadt-Festival-Team und Petra Preiß, dass das Key West dieses Jahr dabei sein durfte. Nächstes Jahr gerne wieder!

4 Kommentare

  1. Das Festival steht schon lange auf meiner Liste – der Bericht schiebt mich nochmal an, es fürs nächste Jahr endlich anzugehen. Danke für den Impuls!

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    • Ja, das Festival ist wirklich vielseitig. Und dazu ist das Publikum auch toll. Eher älter, viele Familien. Es ist einfach eine angenehme Atmosphäre da. Man sollte allerdings bereit sein zu Campen oder sich sehr früh ein Hotelzimmer sichern.

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